Bald ist Weihnachten
Seit einigen Wochen sind sie wieder da – die Boten des in Kürze bevorstehenden Weihnachtsfestes. In den Läden tummeln sie sich, Marzipankartoffeln, Dominosteine, Lebkuchengebäck und Adventskalender. In meiner Kindheit war es verpönt, diese Artikel vor dem Totensonntag anzubieten, heute ist September schon normal. Und egal, wen ich anspreche, alle sagen mir, daß es ihnen auch nicht gefällt. Merkwürdiger Weise werden die Artikel aber trotzdem gekauft. Da stelle ich mir dann schon die Frage, wie die Mechanismen sind: Bestimmen wir als Käufer durch unser Marktverhalten den Markt oder ist es doch eher der Markt, der uns als Käufer regiert? Ich tippe auf letzteres. Eigentlich ist es schade, daß wir uns so fremdbestimmen lassen. Ich sehe ja ein, das es betriebswirtschaftlich sinnvoll ist, wenn wir als Käufer als dezentrales Lager für die Hersteller und Verkäufer der Weihnachtsartikel dienen. Denn wenn wir nicht schon im September kaufen würden, müßten die Hersteller und Händler den Kram ja 3 Monate länger lagern und kühlen. So machen wir als Käufer das für die und evtl. wird ja schon was in der Lagerzeit gegessen und das müssen wir dann ja nachkaufen, was noch mehr Umsatz bringt. Nur, für unsere Dienstleistung des Lagerns und Kühlens müssen wir ja nicht etwa weniger bezahlen, wir bezahlen natürlich mehr und verbrauchen zusätzlich auch noch mehr, was die Kassen der Hersteller und Händler noch mehr füllt. Und warum das alles? Weil wir als Kunden eben einfach nicht von unserem Recht Gebrauch machen, selber zu entscheiden, daß wir bestimmte Dinge eben einfach nicht so wollen, wie die Hersteller und Händler. Das Argument: na wenn ich es nicht jetzt kaufe, kaufen es ja die anderen und ich bekomme dann im Dezember nichts mehr. Auf Deutsch: Futterneid… Lieber den Magen verrenkt, als dem Anderen was geschenkt!
Auch an den Tankstellen nutzen wir als Käufer unsere Marktmacht nicht im Geringsten. Ich erlebe täglich, daß die freie Tankstelle um einen Cent billiger ist, als die benachbarte Markentankstelle. Und trotzdem wird dort getankt. Millionen klagen darüber, daß der Sprit immer teurer wird und am Ende des Jahres verkünden die Ölmultis wieder ernorme Gewinnsteigerungen. Daß der Sprit aber nicht nur für uns teurer wird, sondern auch für die Produzenten, Speditionen und Händler und dementsprechend die Preise für alles und jeden ansteigen müssen, machen sich die wenigsten klar. Wir als Käufer haben es in der Hand, aber wir machen nichts daraus.
Leute, macht den Kopf an!
Soll dies nun ein Aufruf zur Revolution sein? Nein – jedenfalls nicht im herkömmlichen Sinne. Die gab es schon zu Hauf und haben leider viel zu oft zu Fanatismus und Schlimmeren geführt. Nein, dies soll ein Aufruf zur Benutzung der grauen Masse zwischen unseren Ohren sein! Überlegt, ob bei dem, was ihr angeboten bekommt, ein tatsächliches Bedürfnis befriedigt wird oder ob erst ein Bedürfnis geweckt wird, das anschließend für weiteres teures Geld befriedigt werden kann. Und wenn ihr beschließt, etwas bestimmtes (noch) nicht zu kaufen, dann sprecht mit eueren Kindern, Freunden, Bekannten und Verwandten darüber. Vielleicht haben die es ja noch nicht so bedacht wie ihr und werden auch ihr Verhalten ändern. Und dann kann es durchaus passieren, daß wir als Kunden unsere Macht zurückerhalten und durch unser Verhalten bestimmen, wie es laufen soll. Dann kann man auch wieder von einer freien Marktwirtschaft reden, wo der Markt auf unsere Bedürfnisse reagiert.
Blauäugig?
Ja, vielleicht bin ich blauäugig. Aber ich bin nicht der erste und werde bestimmt auch nicht der letzte sein, der sich die Welt ein bißchen besser vorstellen kann. Und wenn viele diese Vorstellung teilen und sich zu eigen machen, dann wird es auch besser werden. Oder, um es mit Worten zu sagen, die jeder von uns kennt: I have a dream…